Die Schwestern

Ein Ziel – eine Gemeinschaft

Die Zisterzienserinnen-Gemeinschaft von Wurmsbach. Elf Schwestern, darunter eine Novizin. Sie sind ganz unterschiedlich: Elf Persönlichkeiten mit verschiedenen Alter, mit verschiedenen Ausbildungen und Fähigkeiten. Der Ruf in die Nachfolge Jesu, das ist es, was sie verbindet, darauf haben sie ihr Leben ausgerichtet.

Zusammen. Eine Gemeinschaft von Frauen, in der sich jede einzelne mit ihren ganz persönlichen Talenten und Kompetenzen einbringt. So entsteht aus individuellen Stärken ein wertvolles Ganzes.

Gemeinschaft ist Geschenk und herausfordernde Aufgabe. Darum gibt es neben Zeiten der Stille auch Orte der Begegnung, der Kommunikation. Zum Beispiel die Freitagssitzung zur Wochenplanung. Und ebenso regelmässig treffen sich die Schwestern zum Konventgespräch. Eine breit gefächerte Themenpalette kommt da zur Sprache: Spirituelle Fragen, aktuelle Aspekte der Gesellschaft wie Nachhaltigkeit usw., oder es wird über einen Film ausgetauscht. Und es gibt wie überall Projekte zu planen, Konflikte zu klären, von Weiterbildungen oder Erlebnissen zu berichten und einander zu danken. Offenheit, Empathie und eine gesunde Portion Humor sind gefragt.

Sr. M. Monika Thumm, Äbtissin | Sr. Monika hat nicht nur viele Talente, sondern auch sehr viele Aufgaben. Ihre erste Aufgabe ist es, jede Schwester persönlich sowie die Gemeinschaft als Ganze auf ihrem spirituellen und menschlichen Weg zu begleiten. Ihre geistlichen Impulse stärken die Sehnsucht nach Gott und motivieren zur lebendigen Christusnachfolge. Sie sind so alltagsbezogen wie tief und fordern heraus.

Als Äbtissin ist Sr. Monika natürlich auch die erste Ansprechperson des Klosters nach aussen und hat dadurch viele Anfragen und Aufgaben zu erfüllen. Sie ist Leiterin und Verwalterin und auch eine echte Künstlerin: Als Musikerin komponiert sie – oft nach Bibeltexten – mehrstimmige Gesänge, welche im täglich gesungenen Chorgebet und auch in den Sonntagsgottesdiensten erklingen. Ihre Stücke sind auch auf CD zu hören.

Sr. Monika hat nicht nur ein feines Gehör, sondern auch ein Auge fürs Schöne und darum viel Freude am Fotografieren der Natur. Als Äbtissin hat sie aber vor allem im Kloster den Überblick. So sieht sie das grosse Ganze genauso klar wie die kleinen Details. Sie versteht die Vergangenheit, lebt in der Gegenwart und bereitet Tag für Tag die Zukunft vor.

*5.12.1952 | Profess 1985 | Äbtissin seit 2000

Sr. M. Rebekka Bühlmann | Sr. Rebekka unterstützt als Priorin Äbtissin Monika in ihrem Amt und ist mitverantwortlich im Noviziatsteam. Die begabte Bäckerin und Köchin (ihre Weinkonfitüre ist ein Gedicht!) sorgt oft für besonders leckere Zvieris. Den Ausgleich zur Mitarbeit in der Klosterverwaltung findet sie im Ausleben ihrer kreativen Ader: Malen und Zeichnen, Kalligraphie und Handlettering, Basteln und Werken. Sr. Rebekka ist nicht nur vielseitig begabt, sondern auch sehr geschickt und praktisch veranlagt. Das nützt der Gemeinschaft auch im Alltag, wo sie nicht selten als Spezialistin für «technische Herausforderungen im Haushalt» etwas im Nu wieder ins Lot bringt.

Als engagierte Kantorin ist sie natürlich auch beim Musizieren und dem Chorgebet immer mit von der Partie. Sr. Rebekka ist ein ruhender Pol in der Gemeinschaft, der aber nicht still steht: Immer wieder inspiriert sie die Gemeinschaft mit frischen Ideen. Dabei spielt auch ihre Affinität zu modernen Medien eine Rolle. Sr. Rebekka stammt aus Luzern. Sie ist eine ehemalige Internats-Schülerin, wie auch Sr. Clara, Sr. Luzia, Sr. Ruth und Sr. Andrea.

Priorin, *3.3.1975 | Profess 1997

Sr. M. Luzia Wittenweg | Sie ist nicht nur Ordensschwester, sondern auch Krankenschwester. In dieser Funktion pflegt sie die kranken und betagten Mitschwestern mit viel Hingabe oft Tag und Nacht. Zugute kommt ihr dabei die Kraft ihrer inneren Ruhe und ihre grosse Hilfsbereitschaft. Und wenn mal ein Löffel Honig zur Besserung einer Krankheit beitragen könnte, ist sie an der Quelle: Als leidenschaftliche Imkerin betreut sie die Bienenvölker des Klosters.

Als ehemalige Klosterschneiderin ist sie seit Langem für die Wäschepflege verantwortlich. Ihre bodenständige, geerdete Gelassenheit und ihr trockener Solothurner Humor bereichern die lebensfrohe Atmosphäre der Gemeinschaft immer wieder. – Vor zwei Jahren feierte sie mit einer grossen Festgemeinschaft ihr Goldenes Professjubiläum.

*7.10.1942 | Profess 1967

Sr. M. Clara Romer | Sr. Clara hat in ihrem Leben sehr viel gearbeitet. Während dreissig Jahren war sie Äbtissin des Klosters und hat dabei wesentliche Impulse für eine zeitgemässe Erneuerung des Ordenslebens initiiert. Mit bald 95 darf sie es ein bisschen gemütlicher nehmen. Und das macht sie auch: Sie geniesst ihr Zimmer mit Seesicht, strickt viel und setzt Puzzles zusammen. Aber sie verschönert auch das Leben der Gemeinschaft: Ihr offenes Ohr, ihr weites Herz und nicht zuletzt ihr Humor und ihre Schlagfertigkeit sind für die Gemeinschaft immer noch eine grosse Bereicherung.

Als mütterliche Frau ist sie allen ein Vorbild und zeigt mit ihrer Gottverbundenheit, ihrem sprichwörtlichen Schalk und ihrer positiven Einstellung und Dankbarkeit, dass das Altwerden trotz mancherlei Gebresten schön sein kann.

*05.08.1925 | Profess 1944 | Äbtissin 1970-2000

Sr. M. Assumpta Emmenegger | Sr. Assumpta betreute lange Zeit die Klosterküche und bereitete das Zmorge und teilweise das Znacht zu. Nun könnte sie etwas leiser treten. Trotz ihres vorgerückten Alters setzt sie sich aber immer noch mit Engagement und Freude für andere ein und kümmert sich zum Beispiel mit viel Hingabe um Sr. Clara. Als grosse Beterin bringt sie die Anliegen vieler Menschen vor Gott.

In den Ferien reist Sr. Assumpta gerne in ihre Heimat, ins Entlebuch. Sie freute sich riesig auf ihr Geschenk zum 80. Geburtstag: Ihren ersten Flug. Und zwar an einen ganz speziellen Ort, nämlich nach Lourdes. Mit grosser Freude erzählte sie danach von den vielen eindrücklichen Momenten am bekannten Pilgerort in Frankreich.

*21.5.1936 | Profess 1956

Sr. M. Madeleine Federspiel | Bei Sr. Madeleine steht die Zeit nie still: Als Gastgeberin empfängt und verwöhnt sie die Gäste im Lichthof, als Telefonistin ist sie eine wichtige Schnittstelle zur Aussenwelt. Sie erledigt Administratives, erfüllt viele kleine und grössere Dienste im Kloster, im Lichthof und im Mädcheninternat.

Im Festkomitee des Klosters sorgt die Bündnerin immer wieder für phantasievolle Geburtstags- und Namenstags-Überraschungen. Nicht weniger bunt und unvergesslich sind ihre illustierten, blumigen Schilderungen der Ferienerlebnisse in Briefform. Als «Reisebüro» in Personalunion kennt sie die schönsten Wanderungen in Graubünden. Und wenn mal zuwenig Zeit für eine grosse Tour ist, dann schnappt sich Sr. Madeleine einfach ihr Velo, setzt den rassigen Helm auf und pedalt gutgelaunt dem Seeufer entlang.

*13.02.1953 | Profess 1975

Sr. M. Ruth Helbling | Blumen und Kräuter, Tees und Salben: Das Reich von Sr. Ruth ist der grosse Klostergarten. Hier erntet die passionierte Gärtnerin die Pflänzchen und Kräutchen für den Kloster-Tee und für Wawusa, ihre legendäre Wallwurzsalbe. In ihren Händen liegt auch der Blumenschmuck der Klosterkirche, des Klosters und der Schule. Sie erweist sich darin als echte Künstlerin: Blumengestecke und Bouquets sind wahre Symphonien aus wohlklingenden Farbakkorden und Formenspielen.

Bei Festen kommen ihr Humor und ihre schauspielerischen Fähigkeiten zum Tragen. Sie verblüfft die Mitschwestern aber nicht nur in zahlreichen Rollen, sondern auch mit ihrem phänomenalen Erinnerungsvermögen. Als «lebendes Archiv» kann sie viele weit zurückliegende Ereignisse bis ins Detail beschreiben. Sr. Ruth hörte die Glocken der Klosterkirche übrigens schon im Mutterleib, denn sie ist zusammen mit ihren acht Brüdern nur einige hundert Meter vom Kloster entfernt im Auhof aufgewachsen.

*2.11.1953 | Profess 1978

Sr. M. Andrea Fux | Sr. Andrea ist ein richtiges Energiebündel. Das muss sie auch sein: Als Schulleiterin des Mädcheninternats braucht sie jeden Tag eine Extraportion Energie. Sie trägt nicht nur die Verantwortung für die Schülerinnen und koordiniert Lehrpersonen und Internatsmitarbeitende, sondern unterrichtet selbst Berufs- und Menschenkunde, leitet den Schulchor und ist im Internat die zentrale Ansprechperson für Schülerinnen und Eltern. Im Klosterleben unterstützt und verschönert sie die Liturgie als Kantorin mit ihrer warmen Altstimme, nicht selten kombiniert mit Celloklängen.

Ob Schulbetrieb oder Klostergemeinschaft, Sr. Andrea kann begeistern und mitreissen. Und sie schaut immer nach vorne. Ob Internat oder Internet, überall entdeckt sie neue Chancen und bringt frischen Wind und Bewegung in die Prozesse. Und wenn es Probleme gibt? – Dann erst recht! Denn dann kommen Sr. Andrea’s Qualitäten als unerschrockene Problemlöserin erst richtig zum Zug.

*27.3.1966 | Profess 1991

Sr. Maria Magdalena Dirks | Sr. Maria Magdalena ist sehr interessiert und auch bestens informiert: Sie weiss viel über das aktuelle Weltgeschehen und auch sehr fundiert über Kirchliches Bescheid. Durch zahlreiche Kontakte im In- und Ausland ist sie beinahe mit dem ganzen Zisterzienserorden vernetzt und kennt sich auch in Ordensangelegenheiten bestens aus. Die ursprünglich aus Münster stammende Schwester ist längst eingebürgert. Ihre geradlinige und offene Art hat sie aber behalten, damit setzt sie einen wichtigen Akzent in der Gemeinschaft.

Man trifft die stille Schafferin in der Sakristei, im Nähzimmer, als Telefonistin oder beim Gestalten von Tauf-, Firm- und Osterkerzen. Und wenn die Jahreszeit und Wetter es zulassen, ist die Naturliebhaberin nicht selten im «hortus claustralis» am Jäten. So unermüdlich wie gründlich.

*6.6.1951 | Profess 1983

Sr. Marianne-Franziska Imhasly | Als promovierte Historikerin unterrichtet Sr. Marianne-Franziska in der Schule nebst Deutsch natürlich Geschichte. Aber sie lehrt nicht nur Geschichte, sie schreibt selbst Geschichte: Im Klosterarchiv verfasst sie die aktuellen Kapitel der uralten Klosterchronik. Bei Klosterführungen führt sie die Gäste mit einem profunden Wissen in längst vergangene Wurmsbacher Zeiten zurück, erzählt lebendig und fesselnd aber auch von Heute. Als Mitglied im Noviziatsteam unterrichtet sie Kirchen- und Ordensgeschichte. Und das alles in ihrem unverkennbaren Walliser-Dialekt.

Nebst Geschichte haben es Sr. Marianne-Franziska aber auch Geschichten angetan. Ihre Liebe gehört der Literatur. Und wenn eine Mitschwester oder eine Internatsschülerin ein spannendes Bibliotheksbuch sucht oder einfach einen guten Tipp, ist sie bei ihr immer an der goldrichtigen Adresse. Die unkomplizierte Vollblut-Lehrerin kann junge Menschen mitreissen und begeistern, mit Impulsen die Gemeinschaft beleben und so bei Jung und Alt für Horizonterweiterung sorgen. Das braucht Kraft. Ihre Akkus füllt sie in der Stille der Natur, am liebsten bei Wanderungen in den Bergen.

*6.9.1958 | Profess 1988

Sr. M. Sara Kissling | Sr. Sara ist die Novizin. Was sie macht, macht sie tatkräftig, neugierig und leidenschaftlich. Und sie macht einiges, denn die ehemalige Pflegefachfrau und Musikpädagogin ist äusserst engagiert. Mit Herzblut erzählt sie jungen Menschen vom Ordensleben, mit Engagement bereichert sie die Musik als Violinistin und Sängerin. Mit Kreativität entwickelt sie neue Formulierungen bei ihren Fürbitten.

Sr. Sara ist zur Zeit viel «auf Achse», denn sie ist in ihrer Ausbildung zur Ordensfrau. Sie nimmt an Wochen-Seminaren teil und reist dafür regelmässig nach Deutschland, Österreich oder in ein anderes Kloster in der Schweiz, denn ein Teil ihrer Ausbildung geschieht gemeinsam mit anderen jungen, benediktinisch geprägten Ordensleuten. Eine wichtige Station ist dabei Rom, wo sie an der Ausbildung junger Zisterzienser/-innen aus der ganzen Welt teilnimmt. Und was ganz speziell ist: Eine Novizin - die ja selbst noch nicht «richtig eingekleidet» ist –  kleidet die Schwestern ein, denn sie näht momentan die neuen Kukullen.
 
*9.11.1977 | Einkleidung 15.8.2017